Wenn man als Zwillingseltern mit dem Kinderwagen unterwegs ist, hat man anfangs schon ein wenig das Gefühl, als sei einem ein drittes Auge gewachsen. Dabei hatte ich gedacht, dass – da die Quote von Mehrlingsgeburten ja bekanntlich steigend ist – dass es mittlerweile etwas gewöhnlicher geworden sei. Nun denn … man gewöhnt sich eigentlich recht schnell daran, und bestimmte Dinge nimmt man im Laufe der Zeit kaum noch wahr.
Als wir vor einiger Zeit mit einem befreudeten Paar und ihrem Sohn auf der Essener Fressmeile unterwegs waren, waren sie wohl überrascht, wie viele Leute uns mit immer ähnlichen Sätzen ansprechen “Junge und Mädchen? Wie schön. Und alles in einem Aufwasch!”, “Wie süß. Aber viel Arbeit, oder?” oder “Achtung! Überbreite!”.
Für uns ist das eigentlich schon ganz normal geworden. Meine typische Reaktion ist der Versuch eines freundlichen Lächelns und eines Nickens oder ein kurzes “Ja”. Mittlerweile haben wir auch Übung darin, den breiten Wagen an Leuten vorbei zu bringen, bei denen man fast das Gefühl hat, dass sie sich als Blockade vor einem aufbauen, um einen genaueren Blick auf unsere beiden Süßen zu werfen. Wirkliches Unbehagen beginnt bei mir erst, wenn sich dann plötzlich wildfremde Menschen zu den beiden herunter beugen und man hinten an der Stange – also auf der anderen Seite – nicht so recht weiß, was man tun soll, weil man nicht vor oder zurück kann (man kann sie ja nicht einfach überrollen
).
Abgesehen von diesen klassischen Reaktionen in der Menge, gibt es aber auch beim “ganz normalen Spazierengehen” immer wieder sehr ähnliche und doch recht amüsante Begegnungen. Insbesondere junge Pärchen zeigen immer wiederkehrende, jedoch deutlich geschlechtsspezifische Verhaltensweisen. Während sie üblicherweise fröhlich lächelnd auf die Kinder sieht, versucht er in der Regel angestrengt nicht hinzusehen
. Von Zeit zu Zeit stupst sie ihn dann noch an “Hast Du gesehen?”, “Was?”, “Na die beiden?”, “Hm .. ach die … jaja”.
Auch immer wieder gerne genommen sind die Leute, die offensichtlich der Meinung sind, wenn sie einen nicht mehr sehen, könne man sie nicht mehr hören. Es ist toll, wenn Du – die Leute sind gerade vorbei – hörst, wie im Rücken über Dich gesprochen wird. Der von mir meist gehörte Satz in dieser Situation (die Wahrscheinlichkeit, dass dieser zu hören ist, steigt insbesondere bei einer schwangeren Begleiterin auf >90% an) ist “Ne lass mal. Eins reicht.”
Es gibt jedoch auch immer wieder mal überraschende Äußerungen, wie z.B. “Der hat ja Scheibenbremsen!”. Stimmt
. Eine besonders faszinierende Erkenntnis für mich war auch der – hm, ich nenne ihn einfach mal – Vaterbonus. Wenn ich mit den beidenunterwegs bin, werde ich von fast jedem angelächelt. Noch besser ist es, wenn ich irgendwo auftauche und mir alle irgendwie behilflich sein wollen und ganz sicher gehen wollen, dass ich auch klarkomme mit den beiden und dem großen Wagen. Wenn meine Frau mit den beiden irgendwo auftaucht (filigrane 50 Kilo) ist die Hilfsbereitschaft zwar grundsätzlich auch vorhanden, jedoch bei weitem nicht so ausgeprägt. Dass sie mit diesem Ungetüm und den zwei Kindern klarkommt, wird scheinbar als gottgegeben vorausgesetzt. Verkehrte Welt